Sonntag, 7. August 2016

Bist du ein Barfer?


Kaum ein Thema wird unter Hundehaltern so arg diskutiert, wie das der richtigen Erziehung und artgerechten Ernährung des Hundes. Besonders der Trend des Barfens, Biologisch artgerechte Rohfütterung, hat in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden. Auch wir haben Chilli direkt nach ihrem Einzug bei uns auf diese Art der Ernährung umgestellt und bereuen es bis heute nicht. Manchmal jedoch kommt es mir vor, als würden alle die, welche ihren Hund durch Trocken- und/oder Nassfutter ernähren, schnell abgestempelt und von einem Barfer schräg angeschaut, ohne jedoch zu hinterfragen, warum dies überhaupt so ist. Neben einem humorvollen Teil, möchte ich in folgendem Beitrag etwas näher auf diese Thematik eingehen und somit den ein oder anderen Kritiker erreichen, welcher andere Hundehalter vorverurteilt, statt sich erst einmal zu hinterfragen, warum für nicht alle Hundehalter diese Art der Ernährung seines Hundes in Frage kommt.





Wie bereits wenige Zeilen zuvor erwähnt, wird auch Chilli gebarft und ich stehe absolut dahinter, ist dies nun einmal die natürlichste und artgerechteste Ernährung des Hundes. Unsere Hunde zählen trotz der Domestikation durch den Menschen zu Carnivoren  = Fleischfressern.   Wölfe und wildlebende Hunde sind von Natur aus Jäger, ernähren sich von selbst erjagten Tieren, Aas und in geringen Mengen auch von Beeren, Wurzeln und Baumrindenstückchen. Mit der Domestikation und Einzug auf die Bauernhöfe und Grundstücke der Menschen, erhielt der Hund Schlachtabfälle, Nachgeburten der Nutztiere des Hofes, menschliche Essensreste vom Tisch und Überreste aus dem Schweinetrog. War der Hund ein erfolgreicher Jäger, standen auch Feldhasen, Kaninchen, sowie kleinere Nagetiere wie Feldhamster und Mäuse auf dem Speiseplan. Fertigfutter war diesen Hunden und deren Haltern ein Fremdwort. Dies wurde erst Mitte des letzten Jahrhunderts populär, bekam immer mehr Aufmerksamkeit & Käufer und seitdem sprießen ständig neue Produkte und Firmen auf den Hundefuttermarkt. Meiner Meinung nach auch Beginn der immer häufiger auftretenden Futterunverträglichkeiten/Futtermittelallergien vieler Hunde, denn schaut man sich die Zusammensetzung der Fetigfutter einmal etwas genauer an, stoßt man nicht selten auf zahlreiche Farb – und Konservierungsstoffe.

Warum ich trotzdem niemals Hundehalter verurteile, welche ihren Hund mit Fertigfutter ernähren?

Zum einen finde ich es absolut schäbig, jemand von Anfang an zu verurteilen, ohne nach Hintergründen zu fragen. Da gibt es z.B. Therapiehunde, welche an manchen ihrer Arbeitstage ihre komplette tägliche Futterration während der Therapiestunden erhalten. Sie arbeiten mit Kindern, aber auch alten und schwerstbehinderten Menschen, welchen man nicht zumuten kann, den vor ihnen sitzenden Hund mit Pansen, Euterstücken oder gar schmierigen Knochen zu füttern.

Ebenso gibt es Angsthunde, welche so stark traumatisiert sind oder sich an ein Leben bei uns Menschen erst gewöhnen müssen, wo die Nahrungsaufnahme zu Anfang ausschließlich aus der menschlichen Hand stattfindet, um eine Vertrauensbasis zu schaffen. In häuslicher Umgebung wäre die Arbeit über Rohfutter vielleicht noch möglich, aber spätestens wenn es an die Arbeit in der Öffentlichkeit geht, Stadttrainings, Hundeschulbesuche anstehen, kann ich jeden Hundehalter nachvollziehen, welcher nicht mit frischen Hühnermägen, Geflügelhälsen, Blättermägen… antreten möchte.



Und dann gibt es da Hunde, welche diese Art der Fütterung trotz mehrmaliger Versuche mit unterschiedlichen Herangehensweisen schlichtweg verweigern. Gibt es nicht, meint ihr? Gibt es wohl! Das lebende Beispiel habe ich gerade mit unserem Pflegehund auf Zeit. Dieser hat eine ähnliche Vorgeschichte wie Chilli sie hat. Er lebt erst seit wenigen Jahren fest bei seiner jetzigen und liebevollen Familie, wurde all die Jahre zuvor [er ist jetzt bereits 11 Jahre alt] von Trockenfutter und Tischabfällen ernährt und nicht jeder Hund akzeptiert in diesem Alter noch eine derartige Futterumstellung. Durch Chilli nimmt er mittlerweile hin und wieder getrocknete Fleischstücke, jedoch auch nicht immer und mit rohem Fleisch brauchen wir ihm gar nicht kommen. Nie würde ich mit einem Hund diesen Alters eine Tour Tour durchmachen, nur um ihn noch einmal auf eine andere Ernährung umzustellen. Gelegentlich bieten wir ihm von Chilli ihrem Futter eine Kleinigkeit an und auf den Geschmack von Innereienwurst ist er bereits gekommen, alles andere wird nicht erzwungen, lehnt er es ab.   

Was ich damit sagen möchte ist: Jeder Hundehalter hat seine Gründe und eigenen Ansichten zur Ernährung seines Hundes, ebenso wie wir Menschen zu unserer eigenen Ernährung. Die einen leben als Vegetarier glücklich, die anderen können sich eine Ernährung ohne Fleisch nicht vorstellen. Wichtig finde ich, sollte man tolerant gegenüber anderen Meinungen/Einstellungen sein, oder zumindest erst die Hintergründe erfragen. Möchte jemand meine Meinung zum Barfen hören oder bittet mich um Rat, biete ich meine Hilfe gerne an. Allerdings werde ich mir nie einbilden, der beste Hundehalter oder „Ernährungsexperte“ zu sein, nur weil ich Chilli über die Rohfleischfütterung ernähre. Daher an alle Leser unter euch, welche jetzt vielleicht ins sich gehen, sich in Sätzen wie: „Nur Barf ist die einzig richtige und artgerechte Ernährung der Hunde!“ ; „Du fütterst deinem Hund Trockenfutter? Ja willst du denn, dass er eher stirbt?!“… wiedererkennt:

Erst überlegen und beim Gegenüber nachfragen, statt sofort vorzuverurteilen und/oder sogar verletzend zu werden! Jeder unter uns Hundehaltern, welcher seinen Hund liebt und alles für ihn gibt, möchte ausschließlich das Beste und genau diese Meinungen und Einstellungen dazu gehen manchmal auseinander. Ein freundliches und aufgeschlossenes Begründen der eigenen Meinung/Ansicht hat schon zu viel mehr Erfolg geführt, als boshaft ausgesprochene Sätze!! ;-)



Und wer von euch ist nun ein Barfer?

Du bist ein Barfer wenn…

  •     ... du morgens nicht länger einen Kaffee brauchst; der Duft von frischem Pansen ist mehr als ausreichend um Dich zu wecken!
     

  • ... du genauestens die inneren Organe einer Kuh beschreiben kannst.
     
  • ... du besser ausbeinen kannst als dein Metzger.
      
  • ... du deine Familie mit den Geschichten über die Umstellung auf Rohfutter zu Tode gelangweilt hast.
      
  • ... du immer die Jäger verteufelt hast, aber jetzt überlegst, ob deine Hunde wohl gern etwas leckeres Wildfleisch fressen würden.
     
  • ... die Hälfte deiner Küchengeräte nur der Herstellung von Hundefutter dient.
     
  • ... du dein Hundefutter fotografierst, um mehr Leute zur Umstellung zu bewegen.
     
  • ... du einen riesengroßen Gefrierschrank nur für Hundefutter besitzt.
     
  • ... du mehr Kilometer fährst um Hundefutter zu organisieren als um zur Arbeit zu fahren.
     
  • ... es dir nicht länger eklig vorkommt, mit rohem Fleisch zu hantieren.
     
  • ... alle Hunde-Leute auf deinem üblichen Spazierweg dich als "die Verrückte die ihren Hunden rohes Fleisch füttert" bezeichnen.
     
  • ... du diese Bezeichnung mit Stolz trägst.
     
  • ... du jedem die Zähne Deines 7-jährigen Hundes vorführst.
     
  • ... du ein ganzes Arsenal von Vitaminen und Zusatzstoffen besitzt, und nichts davon ist für dich.
     
  • ... du einen neuen kreativen Zweck für Knochensägen, Hackbeile und Buschmesser entdeckt hast.
     
  • ... du deinem Nachbarn die frischen Hundehäufchen unter die Nase hältst, um ihm zu zeigen, WIE KLEIN sie wirklich sind.
     
  • ... du Dauerkunde beim Reformhaus bist und keine der gekauften Artikel für dich ist.
     
  • ... einige deiner größten Errungenschaften darin bestehen, wie viele Leute du zur Rohfütterung konvertieren konntest.
       
  • ... der Gedanke, dein Hund könnte ruhig Kuhfladen fressen, gar nicht mehr so abwegig erscheint.
     
  • ... deine guten Nicht-Hunde-Freunde anfangen, den Küssen deiner Hunde zu widerstehen.
     
  • ... du frische Erdbeeren in 35 Grad Hitze pflückst, während du weißt, dass die Hälfte davon für die Hunde eingefroren wird.
    Dieser Text wurde mir von einer lieben Barferin aus Leidenschaft, Hundeverhaltenstherapeutin – und Ernährungsexpertin zur Verfügung gestellt. Danke dir an dieser Stelle noch einmal, liebe Sandra! ;-)  
    Abschließend möchte ich noch all denjenigen, welche einen umfangreichen Leitfaden zum Einstieg in die Rohfütterung suchen, oder einfach hin und wieder kleine Dinge nachlesen möchten, dass Buch Natural Dog Food von Susanne Reinerth empfehlen. Dieses ist bereits 2005 erschienen, hat auch mich die ersten Wochen in Chillis Futterumstellung begleitet und ist bis heute mein absolutes Lieblingsbuch im Bücherschrank der Thematik Hundeernährung. Gerne schaue ich hin und wieder einmal in das Heilkräuter – Lexikon und lese nach, welches Kräutchen für welches Problemchen gewachsen ist und womit ich Chilli sonst noch unterstützen kann. ;-)