Montag, 18. April 2016

Die Prozessionsraupe - Gefahr für Mensch und Hund


 
 
Kaum jemand kennt die Prozessionsraupe oder Prozessionsspinner, dabei kann sie großen Schaden sowohl beim Mensch, als auch beim Hund anrichten. In Mallorca werden sie bereits als eines der giftigsten Tierchen bezeichnet.
Bild von John H. Ghent

Weltweit kommen etwa 100 Arten der Prozessionsspinner vor. Die meisten besiedeln Afrika und Asien, aber auch in Europa sind bereits 6 Arten bekannt, 3 davon in Mitteleuropa:


  • Traumatocampa pinivora
  • Thaumetopoea processionea
  • Traumatocampa pityocampa

Die 2 erstaufgeführten sind mittlerweile sogar in Deutschland heimisch.

Man sieht sie [besser natürlich wenn nicht!] von April bis Juni, bevorzugt in Kieferwäldern, aber immer häufiger auch in Eichenwäldern, in großen Zügen, dicht aneinander gekettet, über den Waldboden und empor der Baumstämme ziehen. Daher auch der Name Prozessionsraupen. Manchmal teilen sie sich auch wie ein Strom in zwei oder mehrere Arme, ziehen eine ganze Strecke weit so fort, vereinigen sich anschließend wieder und schließen den leeren Raum in der Mitte wie eine Art Insel in sich ein. Man geht davon aus, dass sie dies tun, um vor Fressfeinden, wie z.B. Schlangen, größer und gewaltiger zu wirken.



Die Nester der Prozessionsraupen sind weiße, watteartige Gebilde und hängen an Pinien- und Kiefernästen. Nach dem letzten Larvenstadium wandern die Raupen zur Verpuppung in den Boden, wo sich am Ende des Frühlings die Kokons bilden. Die Raupen werden bis zu 4cm lang, sind seitlich gräulich gefärbt und haben auf dem Rücken rotbraune Warzen. Aus diesen Rückenwarzen wachsen lange, weiße Haare, welche die große Gefahr dieser Raupen darstellen.

Die rund 600.000 Brennhaare einer Raupe enthalten nämlich den giftigen Stoff Thaumatopoein. Schon einzelne Haare, die vom Baum fallen und durch die Wälder geweht werden, können bei Mensch und Tier allergische Reaktionen wie Hautausschlag und Juckreiz auslösen.

Besonders unsere Hunde, welche ja beim Herumschnüffeln im Wald ständig Kontakt zum Boden haben, sind gefährdet. Sollten sie eine solche Raupe sogar aufnehmen, weil sie testen wollen, ob dies etwas Fressbares ist, besteht sogar Lebensgefahr!!!

Die Raupen lassen augenblicklich ihre kurzen, steifen Haare stehen, und drücken sie, gleichsam wie Pfeile, ihrem Feind in die Haut des Körpers. Dies ist das Mittel, welches die Natur ihnen zu ihrer Verteidigung gegeben hat. Mehrere andere Arten von Haar-Raupen tun dies zwar auch, aber bei den Prozessionsraupen ist die Menge des abgebenden Giftes gefährlich.

Durch die Schleimhäute im Maulbereich gelangt das Gift schnell in den Körper, wo es immensen Schaden anrichten kann. Die Folgen reichen von Schwindel und Augenentzündungen, bis hin zum Schock und Atemnot. Im schlimmsten Fall kann die Begegnung mit der Prozessionsspinnerraupe, aufgrund eines Erstickungstodes, für den Hund tödlich enden.

Was ist zu tun, sollte es doch einmal zum Kontakt mit der Prozessionsraupe gekommen sein?  
Schnelles Handeln ist gefragt, sollte euer Hund während/nach dem Waldspaziergang seine Nase am Boden reiben und Zunge und Kopf erkennbar anschwellen. Man sollte das Maul und die Schnauze mit klarem Wasser abspülen und Nase, Lefzen und Zunge mit einem feuchten Küchenkrepp abwischen. Dabei jedes Mal ein frisches Krepptuch verwenden, immer von innen nach außen streichen und schnellstmöglich den nächstgelegenen Tierarzt aufsuchen. Dieser muss dann entscheiden, ob eine Behandlung mit Salben oder Medikamenten angebracht ist. Manchmal kann es auch notwendig sein, einen Teil der Zunge zu entfernen.
Folgende Bilder wurden mir freundlicherweise von der Kleintierpraxis Werlen zur Verfügung gestellt [auch an dieser Stelle noch einmal lieben Dank dafür ;-)] Sie zeigen einen betroffenen Labrador.



Nach 5 Tagen medikamentöser Behandlung, sah die Zunge leider so aus, sodass ein operativer Eingriff nicht umgänglich war. :-(